Kakuma heisst „Nirgendwo“

Kakuma ist ein UN-Flüchtlingslager im Norden Kenias. Das Lager wurde 1992 für Kinder und Jugendliche aus Südsudan eingerichtet. Heute stammen die Lagerbewohner zu 70 % aus Südsudan. Auch Äthiopier und Somalier, Eritreer, Burundier, Ruander, Ugander und Kongolesen wurden von den UN hier hergebracht.

Das UN-Flüchtlingslager ist ein hoffnungsloser Ort für viele der Flüchtlinge. Denn es liegt mitten in der Wüste. Und das gigantische Areal von 25 Quadratkilometern ist so zu einem regelrechten Freiluftgefängnis geworden.

Kakuma – bedeutet „Nirgendwo“ und es hält einen traurigen Rekord, denn es ist das zweitgrößtes UN-Flüchtlingslager weltweit. Über 160 000 Menschen vegetieren hier.

Täglich kommen an die 500 Neuankömmlinge aus dem Südsudan, vor allem Kinder und Mütter.

Der junge Josep Nhial berichtet: „Ich habe alle meine Brüder und meine Eltern in dieser Gewalt , in diesem Konflikt verloren. Die Kämpfer, sie fangen Menschen ein, töten einen von ihnen und die anderen müssen ihn dann aufessen. Das war einfach zu schlimm. Menschen essen Menschen!“

Am Tag wirkt hier alles friedlich, doch selbst im Lager ist die Gewalt nicht zu ende. Immer wieder gibt es Spannungen , Banden herrschen in der Nacht, die kenianische Polizei reagiert mit Willkür.

Alex ist  22 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Juba: „Die Lage ist hart. Wir sind alle wie eingesperrt. Die Polizei macht dicke Fehler gegenüber den Zivilisten. Das ist ein Problem in der Nacht: Die schlagen uns Zivilisten in der Nacht.“

Bruder Ronald Ekai, ein katholischer Priester, bringt es auf den Punkt: Die gehen auf und ab wie eingesperrte Tiere. Sie haben keine Bewegungsfreiheit und Zugang zu nichts. Nur was sie aus Barmherzigkeit bekommen, lässt sie weiterleben. Ohne Ernährung, ohne Wasser, ohne korrekte Gesundheitsversorgung und Toiletten. Das ist ein echtes Gefängnis.“

Eigentlich hatte die kenianische Regierung erwogen, Kakuma zu schließen, und die somalischen Flüchtlinge aufgrund der Terrorattacken in Nairobi zurück zu schicken. Doch angesichts der Krise in Süd Sudan musste das Lager offen gehalten werden.

Wohl noch für Jahre, wie  Jeremiah Ekoel, der stellvertretende Lager-Leiter durchblicken lässt:„Ich werde ihnen nicht sagen, dass dieses Camp für ewig existieren wird. Aber für einige Zeit schon noch. Es gibt ja Friedensbemühungen in einigen Ländern. Sodass die Leute einmal zurückkehren und dort wieder produktiv sein können.“

Offiziell darf niemand das Lager verlassen. Nur wer krank ist, bekommt eine Genehmigung, das außerhalb gelegene Hospital aufzusuchen.

Mehr als 160 000 Menschen vegetieren dahin in Kakuma. Geparkt auf dem Abstellgleis der Internationalen Staatengemeinschaft.

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