Man Farkhunda hastam

Die Hoffnung besteht, dass Farkhundas Tod   e t w a s   im Leben in Afghanistan ändern kann. Die junge Frau wurde von einem wilden Mob vor einer Moschee in der Hauptstadt Kabul gefoltert und verbrannt.

Inzwischen haben Tausende Frauen und Männer in Kabul und weltweit gegen die Lynchjustiz demonstriert.

Dutzende Männer hatten wie von der Kette gelassen auf die junge Frau eingeschlagen und getreten . Polizisten griffen nicht ein.

Der brutale Mord hat viele Menschen aufgewühlt.  Afghanistan hat einen besseren Staat verdient; einen in dem Frauen einen sicheren Platz haben.

Man Farkhunda hastam.

Slow TV nimmt Fahrt auf

Das Langsam-Fernsehen kommt! Ganz ganz langsam auch nach Deutschland. Die Sensation stammt eigentlich aus Norwegen, wo sich Millionen Fernsehzuschauer stundenlang bei Bildern vom Stricken, Kaminfeuer und Zugfahrten entspannen.

Einen überraschenden Erfolg hatte die Slow-TV Bewegung bisher vor allem in ihrer Heimatregion Skandinavien, aber auch in USA. Viel Aufmerksamkeit verlangt es nicht – nur:  Sehen und sich einfach zurücklehnen und entspannen. Langeweile wird zum neuen Erlebnis. Fernsehen um durchzuatmen.
Zu den wichtigsten Sendungen der Slow-TV-Bewegung gehören sicher die Bilder der Bahnstrecke von Oslo nach Bergen aus dem Jahre 2009. Und die Bilder einer Nordnorwegen-Reise per Schiff 2011. Dauer: 134 Stunden.
 
Im öffentlich-rechtlichen macht jetzt der BR die ersten Schritte Richtung Slow-TV.
Immer langsam voran!

Reportagezeichnungen

Mein jüngstes Projekt beschäftigt sich mit dem Grenzgebiet eines Genres. In diesem Falle ist es die Zeichnung, die Fernsehreportage als hybrides Produkt aus Videobildern und Illustrationen. Die Idee dahinter: Die Zeichnungen sollen all das zeigen, was die Kamera nicht filmen kann. Träume, Hoffnungen, Ängste. Vergangenheit und Zukunft.

Wesentlich ist die Verbindung von Fernseh-gruppe_1Reportage – dem Bericht von Erlebnissen und Erfahrungen – und animierten Zeichnungen – dem künstlerischen Medium zur bildhaften Umsetzung des Gesehenen.

Im Textbereich existiert dies seit Jahren:  Zeitungen und Zeitschriften wie Libération, GEO oder der englische Guardian schicken regelmäßig wieder Zeichnerinnen und Zeichner mit Skizzenblock in die Welt  und publizieren ihre Aufzeichnungen anschließend großflächig auf ihren Seiten.
Das Resultat: eine  Mischung aus animierten Skizzen, aus  Kamera-Abbildung und Reflexion. Im dazugehörigen Webdossier auch eine Verbindung aus Bild, Ton, Video und Text – eine Erzählform, die wiederum zur Reportage oder zum Visual Essay werden kann.

Siehe auch:

http://info.arte.tv/de/madagaskar-das-tal-der-saphire

http://reportagezeichnung.blogspot.de/

Madagaskar: Das verdammte Tal der Saphire

Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Erde. Dabei könnte es eines der reichsten sein: Denn seit sich Madagaskar vor rund 150 Millionen Jahren von Afrika, Indien und der Antarktis abgetrennt hat, ist die Insel der Ort mit den meisten Fundstellen für Edelsteine auf der Welt.truck

Geschürft werden Smaragde, Diamanten, Rubine und vor allem Saphire in allen Farben. Zu welchem Preis? Die Lebensbedingungen in der brutheißen Abgelegenheit sind hart. Es gibt kein sauberes Wasser zum Trinken und Waschen, und auch Lebensmittel sind rar. Doch angetrieben von der extremen Armut strömen ständig mehr Saphirsucher in das triste Flusstal des Ilaka – voll Hoffnung auf möglichen Reichtum.

http://info.arte.tv/de/madagaskar-das-tal-der-saphire

Kakuma heisst „Nirgendwo“

Kakuma ist ein UN-Flüchtlingslager im Norden Kenias. Das Lager wurde 1992 für Kinder und Jugendliche aus Südsudan eingerichtet. Heute stammen die Lagerbewohner zu 70 % aus Südsudan. Auch Äthiopier und Somalier, Eritreer, Burundier, Ruander, Ugander und Kongolesen wurden von den UN hier hergebracht.

Das UN-Flüchtlingslager ist ein hoffnungsloser Ort für viele der Flüchtlinge. Denn es liegt mitten in der Wüste. Und das gigantische Areal von 25 Quadratkilometern ist so zu einem regelrechten Freiluftgefängnis geworden.

Kakuma – bedeutet „Nirgendwo“ und es hält einen traurigen Rekord, denn es ist das zweitgrößtes UN-Flüchtlingslager weltweit. Über 160 000 Menschen vegetieren hier.

Täglich kommen an die 500 Neuankömmlinge aus dem Südsudan, vor allem Kinder und Mütter.

Der junge Josep Nhial berichtet: „Ich habe alle meine Brüder und meine Eltern in dieser Gewalt , in diesem Konflikt verloren. Die Kämpfer, sie fangen Menschen ein, töten einen von ihnen und die anderen müssen ihn dann aufessen. Das war einfach zu schlimm. Menschen essen Menschen!“

Am Tag wirkt hier alles friedlich, doch selbst im Lager ist die Gewalt nicht zu ende. Immer wieder gibt es Spannungen , Banden herrschen in der Nacht, die kenianische Polizei reagiert mit Willkür.

Alex ist  22 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Juba: „Die Lage ist hart. Wir sind alle wie eingesperrt. Die Polizei macht dicke Fehler gegenüber den Zivilisten. Das ist ein Problem in der Nacht: Die schlagen uns Zivilisten in der Nacht.“

Bruder Ronald Ekai, ein katholischer Priester, bringt es auf den Punkt: Die gehen auf und ab wie eingesperrte Tiere. Sie haben keine Bewegungsfreiheit und Zugang zu nichts. Nur was sie aus Barmherzigkeit bekommen, lässt sie weiterleben. Ohne Ernährung, ohne Wasser, ohne korrekte Gesundheitsversorgung und Toiletten. Das ist ein echtes Gefängnis.“

Eigentlich hatte die kenianische Regierung erwogen, Kakuma zu schließen, und die somalischen Flüchtlinge aufgrund der Terrorattacken in Nairobi zurück zu schicken. Doch angesichts der Krise in Süd Sudan musste das Lager offen gehalten werden.

Wohl noch für Jahre, wie  Jeremiah Ekoel, der stellvertretende Lager-Leiter durchblicken lässt:„Ich werde ihnen nicht sagen, dass dieses Camp für ewig existieren wird. Aber für einige Zeit schon noch. Es gibt ja Friedensbemühungen in einigen Ländern. Sodass die Leute einmal zurückkehren und dort wieder produktiv sein können.“

Offiziell darf niemand das Lager verlassen. Nur wer krank ist, bekommt eine Genehmigung, das außerhalb gelegene Hospital aufzusuchen.

Mehr als 160 000 Menschen vegetieren dahin in Kakuma. Geparkt auf dem Abstellgleis der Internationalen Staatengemeinschaft.

Kunst als Kitt?

IMG_1863Wer als Künstler in Irland arbeitet, der hat Glück: Denn seit 1969 brauchen Menschen, die hauptberuflich von ihrer Kunst leben, keine Abgaben an den Staat zu zahlen. Für die Bildhauerin Dorothy Cross war dies sicher nicht der Grund, sich an den Stränden von Connemara niederzulassen um dort zu arbeiten: Ihr geht es um die Verbindungen zwischen Elementen, die nicht unbedingt zusammengehören. Es geht um die Nähe von Land und Ozean, von Natur und Zivilisation, und es geht um Kommunikation. Dies äussert sich in ihren Skulpturen, wie in Ihrer Einstellung zu Europa. “Nichts ist beständig! Und was uns als gemeinsamer Raum umgibt, das müssen wir uns erst einmal aneignen!” Ihr Motto heisst “Grösser denken” – und dazu gehört es für sie, auch politisch Tabus zu überwinden und der Natur und ihrer Energie wieder den ihr gebührenden Platz einzuräumen. “Was , wenn es Europa nicht mehr gäbe? Stellen Sie sich vor, es gäbe die Mona Lisa nicht mehr!”

Die „Post“ ohne Journalisten?

Die Washington Post eröffnet gerade ein neues Office in New York.  Sie wissen doch, die Post, das war das Blatt, was damals die Watergate-Affäre aufgedeckt hat. Seinerzeit waren die Namen Carl Bernstein und Bob Woodward jedem Journalistenschüler bekannt. Im neuen Strategiebüro für den Netzauftritt sollen künftig jede Menge Medienstrategen, Techniker und Designer sitzen.

Journalisten und Reporter? Fehlanzeige.