Kunst als Kitt?

IMG_1863Wer als Künstler in Irland arbeitet, der hat Glück: Denn seit 1969 brauchen Menschen, die hauptberuflich von ihrer Kunst leben, keine Abgaben an den Staat zu zahlen. Für die Bildhauerin Dorothy Cross war dies sicher nicht der Grund, sich an den Stränden von Connemara niederzulassen um dort zu arbeiten: Ihr geht es um die Verbindungen zwischen Elementen, die nicht unbedingt zusammengehören. Es geht um die Nähe von Land und Ozean, von Natur und Zivilisation, und es geht um Kommunikation. Dies äussert sich in ihren Skulpturen, wie in Ihrer Einstellung zu Europa. “Nichts ist beständig! Und was uns als gemeinsamer Raum umgibt, das müssen wir uns erst einmal aneignen!” Ihr Motto heisst “Grösser denken” – und dazu gehört es für sie, auch politisch Tabus zu überwinden und der Natur und ihrer Energie wieder den ihr gebührenden Platz einzuräumen. “Was , wenn es Europa nicht mehr gäbe? Stellen Sie sich vor, es gäbe die Mona Lisa nicht mehr!”

Finnischer Takt

Hannu Lintu ist mit 44 Jahren Chefdirigent des Finnischen Radio-Symphonieorchesters. Und ein kämpferischer Europäer bis zum Schlussakkord: “Man muss nicht in Wien leben, um Brahms zu verstehen, nicht in Paris, um Debussy zu begreifen.” 281388_2317633946741_4777913_nUnd dennoch versteht er beide, denn als Finne hat er das Gefühl, Teil der gleichen europäischen Tradition zu sein. Musik und Kunst als wichtigstes Bindeglied für Europa zu sehen, dies hält er für einen grossen Gedanken – aber auch für eine leicht idealistische Idee.

http://europe.arte.tv/de/reportagen/europortraits-leurope-de-la-culture-2/

 

Keep digging!

Das war stets das Motto des Journalisten Bob Woodward. Der Mann, der mit seiner Watergate-Recherche US-Präsident Richard Nixon zu Fall brachte, ärgert mit seinen Enthüllungen auch heute noch die Mächtigen in Washington. Jetzt ist er 70 geworden.
Auch wenn seine Arbeit von heute nicht immer unumstritten ist – Ruhm, Karriere und Geld verwöhnen – so ist und bleibt er doch eine Legende.

Rettungsring in der Nachbarschaft

Während sich die Türkei und Griechenland wegen der Zypern-EU-Frage zanken, verlassen immer mehr Griechen wegen der wirtschaftlichen Lage ihres Landes ihre Heimat in Richtung Türkei. Vor zwei Jahrzehnten war das kaum denkbar.   Die Ankunft der Griechen – auch eine Chance für die griechisch-türkische Annäherung.

Der Feind von damals wird sozusagen zum Rettungsring. Jedes Land scheint inzwischen besser als Griechenland, so eine Griechin in einem  Fernseh-ITV.

Konkrete Zahlen gibt es kaum, aber immerhin: Es ist eine „Einwanderung von Null auf x“. Dem Anschein nach ist Istanbul bei den griechischen Auswanderern das Ziel Nummer eins.

Besonders beliebt sei die Türkei unter Akademikern, weil es dort zwei der besten 100 Universitäten der Welt habe, so Professor Dimitrius Triantafilu, der an der Kadir Has Universität in Istanbul unterrichtet.


Gedanken in Athen 2

Als deutscher Reporter geschieht es dieser Tage schon mal, dass man mit Hitlergruss und Schnauzbart geste gegrüsst wird, wenn man über die Finanz- und Wirtschaftkrise berichtet. Da tut es gut, von anderen Griechen mit Tränen in den Augen in den Arm genommen zu werden und den Appell an uns alle zu hören, dass bei allem Finanzdisaster die Europäische Idee und die Freundschaft unter den Menschen auf keinen Fall vor die Hunde gehen darf !

Gedanken in Athen 1

Manchmal muss man ausruhen von der Arbeit. Energie tanken, sich hinsetzen, schauen. So geschehen in Athen dieser Tage auf einem Mäuerchen in der Elephteriou-Venizelou-Strasse.
Hier steht das Iliou Melathron – Heinrich Schliemanns Wohnpalais in Athen. Noch heute umgibt ein gusseisernes Gitter das Anwesen. Und plötzlich läuft es dem deutschen Reporter kalt den Rücken hinunter: Jeder Gitterstab ist am unteren Ende mit einem Hakenkreuz geschmückt! Das kann doch nicht … nein, kann es auch nicht!
Meine Erklärung: In der Minoischen Kultur auf Kreta tauchen Swastiken schon auf Vasenmalereien ab etwa 3500 v. Chr. auf. Ouf !- Gott sei Dank!

Und dann die neugierige Frage an einen Passanten, was denn das Gebäude heute so beherberge? Das wisse er auch nicht – nur soviel, dass im Krieg die Gestapo der Nazis hier ihren Sitz gehabt habe.
Ein kalter Schauer über den Rücken genügte da nicht…