Reportagezeichnungen

Mein jüngstes Projekt beschäftigt sich mit dem Grenzgebiet eines Genres. In diesem Falle ist es die Zeichnung, die Fernsehreportage als hybrides Produkt aus Videobildern und Illustrationen. Die Idee dahinter: Die Zeichnungen sollen all das zeigen, was die Kamera nicht filmen kann. Träume, Hoffnungen, Ängste. Vergangenheit und Zukunft.

Wesentlich ist die Verbindung von Fernseh-gruppe_1Reportage – dem Bericht von Erlebnissen und Erfahrungen – und animierten Zeichnungen – dem künstlerischen Medium zur bildhaften Umsetzung des Gesehenen.

Im Textbereich existiert dies seit Jahren:  Zeitungen und Zeitschriften wie Libération, GEO oder der englische Guardian schicken regelmäßig wieder Zeichnerinnen und Zeichner mit Skizzenblock in die Welt  und publizieren ihre Aufzeichnungen anschließend großflächig auf ihren Seiten.
Das Resultat: eine  Mischung aus animierten Skizzen, aus  Kamera-Abbildung und Reflexion. Im dazugehörigen Webdossier auch eine Verbindung aus Bild, Ton, Video und Text – eine Erzählform, die wiederum zur Reportage oder zum Visual Essay werden kann.

Siehe auch:

http://info.arte.tv/de/madagaskar-das-tal-der-saphire

http://reportagezeichnung.blogspot.de/

Die „Post“ ohne Journalisten?

Die Washington Post eröffnet gerade ein neues Office in New York.  Sie wissen doch, die Post, das war das Blatt, was damals die Watergate-Affäre aufgedeckt hat. Seinerzeit waren die Namen Carl Bernstein und Bob Woodward jedem Journalistenschüler bekannt. Im neuen Strategiebüro für den Netzauftritt sollen künftig jede Menge Medienstrategen, Techniker und Designer sitzen.

Journalisten und Reporter? Fehlanzeige.

 

Drohnenjournalismus

Drohnenjournalismus ist ein neues, inhaltlich bisher kaum hervorgetretenes Phänomen – aber was die ersten Pioniere gegenwärtig zu etablieren versuchen, hat mit den militärischen oder „aufklärenden“ Funktionen wohl nur wenig zu tun. Ihnen geht es viel eher darum, mit ersten Drohnenbildern den Markt der – teuren – Helikopterbilder und -filme aufzufrischen und aufzumischen.

Drohnenjournalismus ist gegenwärtig vor allem Fotojournalismus. Er will billiger sein und in Bereiche vordringen, die Hubschraubern verschlossen sind. Und er soll die journalistische Arbeit ungefährlicher machen. Direkten Gefahren muss sich kein Drohnenjournalist mehr aussetzen.

Die ersten drohnenjournalistischen Versuche fanden wohl in den USA statt:

Am 11. November 2011 schwebte ein kleiner Quadrocopter der Firma Robokopter über einer – eskalierenden – Demonstration in Warschau (Polen). Die Bilder zeigen offenbar die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten am polnischen Unabhängigkeitstag. Ihre ästhetische Perspektive war neu, von oben, nicht von der Seite. Und so erlangten die Filmsequenzen über YouTube und die polnischen Massenzeitungen einige Popularität. Sie gelten inzwischen als beispielhaft.

Die (bisher wenigen) kommerziell genutzten Drohnen sind in der Regel kleiner und billiger als ihre militärischen Brüder, scheinen aber immer leistungsfähiger zu werden. Bereits 2010 wurde die kleine ferngesteuerte Drohne MD4-200 (47.000 Euro teuer) zur Überwachung der Proteste gegen die Castor-Transporte genutzt .

Daneben gibt es auch schon heute – eher dem traditionellen Modellflugzeug als der leistungsstarken Hightechdrohne nahe – Minidrohnen für den privaten Gebrauch. Eine ist der Quadrocopter Paront AR. Das eher spielzeugartige Gerät ist bei Amazon für rund 200 Euro zu erhalten. In den USA gibt es bereits eine regelrechte Amateurbewegung, die über 10.000 autonome, selbst zusammengebaute Drohnen besitzen soll.

Ob Zeppelin, Flugzeug, Hubschrauber oder Satellit: Seit es technisch möglich geworden ist, wurde das Bild (oder der Film) von oben von den Massenmedien für ihre Berichterstattung genutzt. Der (teure) Blick von oben hat sich eher langsam in den medialen Alltag „eingeschlichen“ – und verspricht vor allem eins: den neutralen Überblick.

Bereits 1994 wurde US-Footballidol O. J. Simpson von Kamerateams (paparazziartig) aus Helikoptern gefilmt, als er versuchte über eine Autobahn zu fliehen – die Bilder von der Flucht wurden live im Fernsehen übertragen. Damals klagten Polizei oder Rettungsdienste noch über Behinderungen ihrer Arbeit, Journalismusprofessoren über die Verschwendung journalistischer Ressourcen.

Doch das Helikopterbild setzte sich durch: Naturkatastrophen, große Radrennen, Marathonläufe oder Fußballturniere sind ohne Hubschrauberfotos (und Propellersurren) heute kaum noch denkbar. Als kürzlich ein Amokschütze in Aurora bei Denver (USA) während einer Batman-Filmvorführung ein Blutbad anrichtete, lieferten Hubschrauber die Überblicksbilder fürs Fernsehen, während die Reporter die Augenzeugen befragten. Selbst der Steisand-Effekt beruhte – ursprünglich – auf Helikopterfotos. Sie machten das bisher Unsichtbare sichtbar.

Daneben gibt es die – gezoomten – Satellitenbilder (aktuell etwa über die Lage in Syrien) oder die Bilder der (fixierten) Überwachungskameras. Auch sie zeigen die Welt von oben und dringen immer stärker in die Medien und ihre Berichterstattung ein.

Warum sie da hingehen

Warum gehen Journalisten derzeit nach Syrien und warum unterstützen Redaktionen sie bei Iihrem Vorhaben?

Weil Journalisten Beobachter sind. Unparteiische.

Mary Colvin war so eine. Deshalb gehen sie da hin. Denn nur so können News-Organisationen ihr Vertrauen behalten und sich von Politik frei halten.

Ziel der Berichterstattung ist es, Klarheit zu vermitteln und Zuschauern, Hörern und Lesern eine Sicht auf die Dinge zu erlauben.

Die Berichte sind furchtbar, Menschen flüchten vor schrecklichen Grausamkeiten. Dass Journalisten vor Ort sind, ist die einzige Möglichkeit zu erfahren, was dort vor sich geht.

 

Konzentrieren Sie sich!

Wer heute noch als Journalist überleben will, der muss besser und härter arbeiten. Denn zu gross ist das Risiko, sich selbst in dünnschichtigen Multimedia-Tätigkeiten zu verlieren, statt sich darauf zu konzentrieren, originelle Geschichten zu finden und ungewöhnliche Blickwinkel darauf zu werfen.

Dabei ist News-Produktion bisher so gut wie gar nicht gefährdet2009_Afghanistan_Micha.

Eher betroffen sind Auslandskorrespondenten und Fakten-Rechercheure.

Wer als Journalist im Internet noch Erfolg haben will, dem kann man nur raten, tarsächliche Inhalte mit hohem Mehrwert zu produzieren. Nach dem Motto: Tu, was Du am besten kannst und das verlinke dann.

Exklusiver Club zum Untertauchen

Es gibt sie noch, die guten Adressen, wenn man beispielsweise mal kurz untertauchen möchte/muss: Eine ist der sogenannte „Frontline Club“ in London, ein Journalisten-Club von Kriegsberichterstattern(mit öffentlichem Restaurant). Unlängst hielt sich hier Herr Wikileaks Julian Assenge versteckt. Aber der kennt auch den Club-Gründer Vaughn Smith persönlich. Wem dieses Privileg nicht vergönnt ist, kann es trotzdem mal versuchen: 13 Norfolk Place, London W2 1QJ  Tel: +44 (0)20 7479 8950
Closest Tube Station: Paddington

Sprecher

In der Regel bin ich als Journalist ja der Meinung, von Pressesprechern höchstens die halbe Wahrheit zu erfahren, oder auch halbe Unwahrheiten. Das hat mir zuletzt auch den anerkennenden Rück-Blick auf die journalistische Qualität meines Regierungssprechers so schwer gemacht.

Im Falle des vorgeführten Pressesprechers im Bundesfinanzministerium jedoch, bin ich regelrecht  versucht, mich zum ersten Mal mit einem Pressereferenten zu solidarisieren. So grob ungerecht und perfide geht man mit Menschen einfach nicht um. Nicht hinter den Kulissen, und nicht davor.